Copyright 2017 - Gymnasium Leopoldinum

Die Musik am Leopoldinum

In einem umfassenden Aufsatz über die Geschichte der Musik am Gymnasium Leopoldinum kommt Hans Werthmann in der Festschrift zur 375-Jahrfeier der Schule 1987 zu folgendem Fazit: „Läßt man diese 375 Jahre Musik (…) Revue passieren, darf festgestellt werden: Man blieb in der Tradition. Man orientierte sich an ihr, führte sie auf einen gewissen Höhepunkt, brachte sie, unter veränderten Bedingungen, ungebrochen in eine andere Zeit.“ Und zusammenfassend belegt der Autor: „Am Gymnasium Leopoldinum ist etwa die Hälfte aller Schüler (….) musikalisch praktisch tätig. Diese jungen Studierenden werden von zwei hauptamtlichen, sieben nebenamtlichen Lehrern und einer wechselnden Zahl von Referendaren betreut. Es gibt einen Unterstufenchor, einen Oberstufenchor und einen Chor der Kollegstufe. Die Schule hat ein Vororchester und ein Kammerorchester. Neigungsgruppen in Kammermusik und Tanz sind selbstverständlich geworden….“ 

 jahreskonzert2 jahreskonzert1

Fügt man dieser Aufzählung heute die 1995 von Werthmann gegründete und nach wie vor von ihm mit viel Herz und höchstem Sachverstand betreute Big Band sowie als neuen Farbtupfer den bisher vor allem von Eltern gerne wahrgenommenen Eltern-Lehrer-Chor („ELCH Leo“) hinzu, ergibt sich in der Tat auch für das vergangene Vierteljahrhundert eine bemerkenswerte Kontinuität auf dem Gebiet der musikalischen Erziehung am Leopoldinum. Zu ergänzen wären ein paar personelle Veränderungen, wie sie für einen solchen Zeitraum unvermeidlich sein dürften sowie die Erwähnung von Auszeichnungen und Preisen für die beständig nachwachsende, musikalisch begabte Jugend, die nachweislich und ungebrochen gerne den Weg in und durch das Gymnasium Leopoldinum findet. Dass das Leopoldinum trotz einer Fülle tiefgreifender Ereignisse im engeren und weiteren schulischen Umfeld seine musikalische Qualität bewahren konnte – und zwar mehr als nur einen äußeren Eindruck derselben – wird weithin anerkannt, was sich nicht zuletzt im Herbst 2011 in der Preisverleihung an die Fachschaft Musik durch die Stiftung „Europäisches Haus - Konzerthaus Passau“ und insbesondere in der Laudatio des ehemaligen Intendanten des Bayerischen Rundfunks Prof. Dr. Albert Scharf widerspiegelte.

Kurzer Abriss zur jüngeren Geschichte
Als „Urväter“ des besonderen musikalischen Geistes der vergangenen Jahrzehnte gelten die beiden Musikerlehrer Hans Werthmann und Toni Glas. Es wird niemand bezweifeln, dass durch deren geradliniges und umsichtiges Wirken, ihren scharfen Sachverstand, aber auch ihre besonderen menschlichen Qualitäten Wesentliches aus der musikalische Tradition des ehemaligen Jesuitenkollegs fortgeführt, modifiziert, neu entdeckt oder weiterentwickelt und so in die moderne Zeit gerettet werden konnte. StD Hans Werthmann wirkte bis 1994 als Musiklehrer am Leopoldinum. Eine Würdigung seiner herausragenden pädagogischen Leistung in diesen Jahren würde an dieser Stelle zu weit führen. Hier sei auf die Jahresberichte des Gymnasiums verwiesen, die außerdem zahlreiche lesenswerte Beiträge dieses Ausnahmelehrers und großartigen Feuilletonisten enthalten. Herr Werthmann ist, wie man anhand der zahlreichen Aufführungen der letzten Jahre erkennen kann, der Schule und vor allem der Big Band, seinen Schülerinnen und Schülern, nach wie vor engstens verbunden. Er galt und gilt noch immer als außergewöhnlicher Motivator, der mit seiner charmanten, hinreißend humorvollen Art Generationen von jungen Passauerinnen und Passauer sowie viele angehende Musiklehrerinnen und Musiklehrer pädagogisch, musikalisch und menschlich zutiefst positiv und lebensbejahend geprägt hat. Eine außergewöhnliche Lebensleistung, die weit über das schulische Leben hinaus reicht und Bestand hat. Nicht weniger eindrucksvoll ist das schulische Lebenswerk von StD Toni Glas, der trotz der Belastungen durch die jahrelange Seminarleitung im Fachbereich Musik nie von seinen übergeordneten Grundsätzen abgelassen hat. Seine Leidenschaft galt dabei immer der Chormusik, sein ganz besonderes Augenmerk aber auch der Pflege der Kirchenmusik. Toni Glas hat sich weit über den Rahmen der Schule hinaus auf diesen Gebieten einen Namen gemacht, Jahrzehnte galten seine Konzerte mit dem Singkreis Passau, die vielen Schülern wertvolle Impulse gaben, als musikalische Höhepunkte in der Region. Auf Hans Werthmann folgte StD Werner Wolf, der als versierter Geiger in erster Linie die Orchesterarbeit konsequent fortführte und dabei das Repertoire behutsam, aber zielstrebig erweiterte. In seiner Doppelfunktion als Lehrer und Seminarlehrer und den damit verbundenen zahlreichen Aufgabenfeldern zeigte er außerordentliches Organisationstalent und größte Sorgfalt. Werner Wolf ist es zu verdanken, dass die umfangreichen Bestände an Musikalien und Gerätschaften neu durchgesehen, ständig erweitert und auf den aktuellen Stand gebracht wurden. Mit ihm wurden Chor- und Orchesterfahrten zu kulturellen Höhepunkten und willkommenen Ausblicken über die engen Grenzen des Schulalltages hinaus. Es ist ein Glücksfall für die Musik am Leopoldinum, dass nach der Ära Werthmann-Glas sich mit Werner Wolf ein nahtloser Übergang vollziehen ließ, der durch musikalisches Können, große pädagogische Erfahrung, enge kollegiale Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen den Musiklehrkräften geprägt war. Seither konnten nun auch parallele Leistungskurse in der Kollegstufenjahrgängen angeboten und dadurch zahlreiche musikalische Talente am Haus gehalten werden. Der Regelunterricht war am Leopoldinum hoch kompetent gesichert und musste lediglich ein paar Mal von examinierten Lehramtsassessoren ergänzt werden. Mit dem Ausscheiden von Toni Glas 2004 und Werner Wolf 2006 war aber schließlich ein Generationswechsel unumgänglich geworden. Auf Toni Glas folgte für ein kurzes Gastspiel Mirjam Boggasch, die ab Schuljahr 2006/07 auch die Seminarleitung übernahm, bevor sie schließlich einer universitären Laufbahn den Vorzug gab. Im selben Jahr kam mit Michael Tausch ein ehemaliger Leopoldiner an die Schule zurück, der sich in besonderer Weise dem Erbe der Vorgänger verpflichtet fühlt. Seit dem Schuljahr 2007/08 steht ihm als zweite hauptamtliche Lehrkraft und Leiterin des Musikseminars Frau OStRin Johanna Beer zur Seite. Auch Johanna Beer verbindet mit Passau bereits frühere Erinnerungen, war ihr Vater doch Jahre vorher ein hoch geschätzter Musiklehrer-Kollege am Auersperg-Gymnasium, sie selbst besuchte vor dem Umzug der Familie die 5. Klasse des Leopoldinums. Man kann sehen, dass die Kontinuität in der Fachschaft nicht zuletzt durch biographische Verknüpfungen grundgelegt ist.

Entscheidend für das Musikalische Leben war immer die besondere Umsicht und das Grundverständnis der Schulleiter. Neue Ideen und Initiativen flossen im Dialog mit ihnen ein. So wurde 1992 ein Orgelpositiv angeschafft, das sich mittlerweile aus praktischen Gründen in der Xaveri-Kapelle der Studienkirche befindet und sowohl liturgische als auch konzertante Funktionen erfüllt. Im Gedenken an einen großen Sohn der Schule, Reinhard Raffalt, wurde durch Schulleiter Dr. Dr. Segl 1991 im Rahmen des Jahreskonzertes des Musikalischen Vereins erstmals der inzwischen traditionelle gleichnamige Musikpreis verliehen.
Zahllose konstruktive und innovative Anregungen kamen immer wieder aus dem Musikseminar. Die jungen Kolleginnen und Kollegen wirkten und wirken trotz der Belastungen durch die Ausbildung und ungeachtet manch schwieriger Anstellungssituation äußerst fruchtbar und mit viel Dynamik auf die Fachschaft ein. Undenkbar wäre die erfolgreiche musikalische Arbeit am Gymnasium Leopoldinum ebenfalls ohne die nebenamtlichen Lehrkräfte im instrumentalen Bereich. Hier müssen die über viele Jahre aktiven Kollegen Matthias Edler von Pollack (Trompete und Blechbläser), Konstantin Siminescu (Violoncello und Kontrabass), Klaus Stolle (Kontrabass) sowie in der jüngeren Generation Hartmut Caßens (Violoncello), Michael Beck (Trompete, Big Band, Blechbläser), Gerhard Koschel (Violoncello) und Reinhard Bauer (Kontrabass) genannt werden. Maria Glas und Klaus Albrecht sind die Garanten einer effiziente Nachwuchsarbeit an der Violine. Beide zeichnet sie eine besonders große Verbundenheit zum Leopoldinum aus: Maria Glas selbstredend als Ehefrau von Toni Glas, Klaus Albrecht als ehemaliger Leopoldiner und einer der ersten Leistungskurs-Absolventen dieser Schule. Mit ihm konnte ab 1990 ein ebenso kompetenter wie liebenswürdiger und kreativ-rühriger Musiker verpflichtet werden, der inzwischen für das Orchester I verantwortlich ist, einer Arbeit, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann! Man kann also durchaus zufrieden auf die derzeitige personelle Konstellation im Fachbereich Musik am Leopoldinum blicken und es ist zu hoffen, dass diese günstigen Bedingungen weiter gehalten und genutzt werden können. Dabei leistet insbesondere der Musikalische Verein Herausragendes.

Musikalische Arbeit am Leopoldinum
Von den zahlreichen Aufführungen seien hier nur einige Höhepunkte genannt:
Schulkonzerte und anderen Engagements (z.B. der Big Band bei den vorweihnachtlichen Charity-Galas der Passauer Runde) sind seit Generationen in den Verlauf des Schuljahres eingewoben. Herausragende Früchte der Probenarbeit des Orchesters unter Johanna Beer waren die Aufführung des Karneval der Tiere von Saint-Saëns beim Jahreskonzert des Musikalischen Vereins 2009, die fächerübergreifend mit Kunst verwirklicht werden konnte, darüber hinaus sicherlich Beethovens Chorfantasie, die 2010 ein besonders beeindruckendes Bühnen-Schlussbild im übervollen Rathaussaal hinterließ.
Auch im kirchenmusikalischen Bereich konnten immer wieder Akzente gesetzt werden. Zwar sind die früher selbstverständlichen Orchestermessen bei Schulgottesdiensten häufig den Bemühungen um ökumenische Gottesdienstformen zum Opfer gefallen, trotzdem setzen die Allerseelenandacht im November sowie das mit überwiegend geistlicher Musik gestaltete Adventliche Konzert durchaus klare Zeichen. Es ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die „Hauskirche“ des Leopoldinums, die Studienkirche St. Michael, ein Raum von höchster Würde und seltener barock-herber Schönheit, gerade durch die Schülerinnen und Schüler über Jahre mit stimmigem liturgischen Leben erfüllt wurde. Auch wenn das Adventliche Konzert aus gutem Grund (Eiseskälte im Winter!) - nach einem kurzen Gastspiel in der Redoute - inzwischen in der angenehmen und sehr gut bespielbaren Atmosphäre von St. Peter stattfindet, gibt es im Laufe des Schuljahres weiterhin Gelegenheiten, die Studienkirche als religiöses und kirchenmusikalisches Zentrum des Leopoldinums einzusetzen.
Höhepunkte in der Auseinandersetzung mit geistlicher Musik waren in den letzten Jahren sicherlich das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart im November 2007 (von der Aufführung in der Studienkirche, an der - von wenigen Ausnahme abgesehen - fast ausschließlich aktive und ehemalige Leopoldiner beteiligt waren, existiert ein sehr hörenswerter Mitschnitt auf CD) sowie die Missa (Kyrie und Gloria aus der h-Moll-Messe) von Johann Sebastian Bach, einem Projekt mit angeschlossenem Kurs für historische Aufführungspraxis bei Streichinstrumenten. Diese beiden Initiativen, für die Michael Tausch verantwortlich zeichnete, führten bewusst über den Rahmen der Schule hinaus und knüpften in besonderer Weise an vergangene Tage des Leopoldinums an. Hier konnten die jungen Chorsänger/innen und Instrumentalisten mit professionellen Musikern zusammenarbeiten und darüber hinaus in den Proben sowie den Einführungsvorträgen wesentliche inhaltliche Elemente der Werke kennenlernen und erleben. Dieser Blick über den Tellerrand hat sich in Zeiten struktureller Dürre sehr bewährt und vermochte die Motivationslage insgesamt hoch zu halten. Es konnte eindrucksvoll gezeigt werden, auf welch hohem Niveau die Schülerinnen und Schüler musikalisch arbeiten können und es verdient der besonderen Erwähnung, dass sich dabei auch weniger erfahrene Teilnehmer in erstaunlicher Schnelligkeit musikalisch-technisch entwickelten. Entscheidend ist die Bereitschaft und Möglichkeit, Zeit zu investieren. In gleicher Weise waren auch Gastspiele und Kurse wie beispielsweise mit dem Minguet-Quartetts, dem Münchner Rundfunkorchester (in der Reihe „Klasse Klassik“ bei den Europäische Wochen 2010) oder mit dem Jazz-Posaunisten Paul Zauner überaus fruchtbar.

Sehr beliebt sind die Chor- und Orchesterfreizeiten, die einmal jährlich während der Schulzeit stattfinden. Dazu gibt es regelmäßig Chor-Wochenenden außerhalb der Schule, die immer wieder zu besonders reichen Erlebnissen führen.

Und so möchte man mit dem Schlusssatz bei Hans Werthmann übereinstimmen (wobei „vita“ trotz Reimverlusts getrost mit „schola“ gleichgesetzt werden könnte):

“Sine musica nulla vita, et si est vita non est ita!”

OStR Michael Tausch, Fachbetreuer und Seminarlehrer

Suchen

Kontakt

kontakt3

Impressum

impressum3

Datenschutzerklärung

datenschutz3