Eine satirische Reise in die „Unterwelt“ – Der international bekannte und renommierte Altphilologe Niklas Holzberg referierte am Leo

Prof. Holzberg in Aktion während seines Vortrags, dem die Q12-Schüler und Kollegen aufmerksam und konzentriert folgten

Bei Trimalchio ist schon der Name Programm. Zumindest, wenn man sich auf die Hypothese einlässt, dass dem Namen das semitische Wort für König (malek) zugrunde liegt, was angesichts der Herkunft Trimalchios aus Asien nicht unplausibel erscheint. Der Name ließe sich dann mit „Dreifach-König“ wiedergeben. Und genau so verhält sich die Hauptfigur der Cena Trimalchionis, der längsten zusammenhängenden Passage aus dem komisch-realistischen Roman Satyrica des Römers Petron.

Doch bereits hier zeigt sich die feine Ironie des Autors: Trimalchio ist nämlich ein Freigelassener, also ein ehemaliger Sklave, und damit alles andere als ein König. Weil er aber durch clevere Handelsgeschäfte zu immensem Reichtum gelangte, meint er, sich wie einer benehmen zu können. Dies zeigt sich immer wieder während seines höchst opulenten Gastmahls (lat. cena), zu dem er seine Gäste geladen hat und das zum Schauplatz bizarrer und amüsanter Szenen wird – Fremdscham-Garantie inklusive!

Zu diesem faszinierenden und literarisch äußerst anspielungsreichen Text referierte der weit über die Fachgrenzen hinaus bekannte und international renommierte Altphilologe Prof. em. Niklas Holzberg am Leopoldinum vor dem aktuellen Q12-Lateinkurs sowie interessierten nicht nur Latein-Kollegen. Unter anderem war auch Karl Bindl als Vertreter der Schulleitung anwesend. Gemäß dem Vortragstitel „Bene esse und gut essen: Trimalchios ‚Unterwelt‘“ entfaltete Holzberg die These, dass das Haus des Gastgebers symbolisch als Unterwelt gedeutet werden könne und den Themen Tod und Vergänglichkeit in Trimalchios Kosmos eine zentrale Bedeutung zukomme. Der Latinist arbeitete anhand ausgewählter Stellen intertextuelle Anspielungen auf Homers Odyssee und Vergils Aeneis heraus, auf die meist in parodistischer Absicht Bezug genommen wird.

Petrons virtuose Sprachkunst illustrierte Holzberg an einem besonders eindrücklichen Beispiel: Trimalchio „dichtet“ ein Epigramm – baut es dann aber fälschlicherweise so auf, dass es eher an eine billige Grabinschrift eines schlampig arbeitenden Steinmetzes erinnert. Der erste Vers lautet: Eheu nos miseros, quam totus homuncio nil est! Holzberg übersetzt nahe am Original: „Ach wir Elenden, wie doch das ganze Menschelein nichts ist.“ Das liest sich wie eine (pseudo-?)philosophische Reflexion auf die Vergänglichkeit des Menschen. Die Form est kann aber nicht nur vom Infinitiv esse stammen, sondern auch Kurzform des Verbs edere (essen) sein. Sofort ändert sich der Sinn: „„Ach wir Elenden, wie doch das ganze Menschelein nichts isst.“ Das passt gut zur silbernen Skelettpuppe, die Trimalchio kurz zuvor auf den Tisch geworfen hat. Das Skelett ist – natürlich –  abgemagert, da es nichts mehr essen kann. Solche Doppeldeutigkeiten und sprachlichen Raffinessen, die der versierte Altphilologe überzeugend und gut verständlich erläuterte, machen die Cena Trimalchionis zu einer vergnüglichen und beliebten Oberstufenlektüre.

Prof. Holzberg begeisterte mit einem äußerst lebendigen und engagierten Vortrag, in dessen Verlauf er das junge Auditorium immer wieder miteinbezog und öfter auch zum Schmunzeln brachte. Man merkte dem Referenten, der immer noch Vorlesungen hält, Hörsäle füllt und besonders als Übersetzer nach wie vor sehr produktiv ist, die Begeisterung für sein Sujet an. Auch für Schülerfragen nahm er sich anschließend noch geduldig Zeit.

Fachschaftsleiterin Irmgard Steflbauer und Kursleiter Tobias Zehntner, der den Referenten einlud, bedankten sich für die bereichernde Begegnung und den hochinteressanten Vortrag mit einem Präsent aus dem Weltladen.
Herr Prof. Holzberg hat zu unserer großen Freude seine Bereitschaft signalisiert, im neuen Jahr erneut die (durch Schienenersatzverkehr doch recht umständliche …) Anreise aus München auf sich zu nehmen und am Leopoldinum zu Vergils Aeneis zu referieren – wir sind gespannt und voller Vorfreude!

Fachschaftsleiterin Irmgard Steflbauer und Kursleiter Tobias Zehntner dankten dem Referenten für seine hochinteressanten Ausführungen.

Tobias Zehntner, StR